Aktuelle Herausforderungen im Bentheimer Wald: CDU informiert sich bei Forstbetriebsleiter Henning Buss

„Der Bentheimer Wald ist ein dynamisches Waldökosystem. Es ist immer schwierig, einen statischen Schutz über ein dynamisches System zu legen“, erklärt Henning Buss, Leiter des Fürstlichen Forstbetriebs. Vertreter des Bad Bentheimer CDU-Vorstands haben sich mit dem neuen Forstbetriebsleiter und zukünftigen Kammerdirektor der fürstlichen Verwaltung zu einem Waldrundgang getroffen. Da ein Großteil des Bentheimer Waldes unter die EU-Richtlinie „Flora, Fauna, Habitat“ fällt, steht nun die Entscheidung darüber an, in welche deutsche Schutzgebietskategorie das FFH-Gebiet 059 „Bentheimer Wald“ eingeteilt werden soll.

„Wir präferieren den Statuts eines Landschaftsschutzgebietes für den Bentheimer Wald“, stellt Buss die Position des Fürstlichen Hauses als größten Flächeneigentümer des FFH-Gebietes klar. Die Ausweisung als Naturschutzgebiet würde die Bewirtschaftung des Waldes unnötig erschweren. Da gerade die naturnahe Bewirtschaftung des Bentheimer Waldes durch die Waldeigentümer zu dem derzeitigen Artenreichtum und den abwechslungsreichen Waldbildern geführt hat, halte man eine Ausweisung als Naturschutzgebiet für kontraproduktiv. In der praktizierten nachhaltigen Bewirtschaftung des Bentheimer Waldes versucht der Waldeigentümer über einen integrativen Naturschutzansatz alle Waldfunktionen (Nutz-, Schutz-, und Erholungsfunktion) angemessen zu berücksichtigen. Eine einseitige Fokussierung auf hoheitliche Naturschutzziele sei daher gerade für den Bentheimer Wald nicht geeignet. Um allen Waldfunktionen gerecht zu werden, müsse der Waldeigentümer gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels und seinen Folgen, wie etwa dem Eichprozessionsspinner oder dem Eschentriebsterben) waldbaulich reagieren können. Insgesamt hinterfragt Henning Buss ob eine Schutzgebietsausweisung überhaupt zielführend ist:  „Das macht die bisher erfolgreiche Arbeit, den Wald in seinem guten Zustand zu erhalten, sicher nicht leichter.“

„Auch ohne offiziellen Schutz-Status wussten wir den Bentheimer Wald in den fürstlichen Händen stets bestens aufgehoben“, stellt auch der Bad Bentheimer CDU-Vorsitzende Marcel Speker fest. Es sei bedauerlich, wenn unter der Überschrift des Naturschutzes die Pflege des Waldes tatsächlich erschwert werde. „Der Einsatz des Fürstlichen Hauses für den Bentheimer Wald ist von enormer Bedeutung für den Naherholungswert von Bad Bentheim insgesamt, und des Kurbezirks mit der Fachklinik im Besonderen“, so Speker.

Buss führte die Christdemokraten durch die Waldgebiete nördlich und südlich der B403. Hier kam insbesondere auch die Wildwechsel-Problematik zur Sprache. Durch die Fällarbeiten am westlichen Straßenrand habe man unter anderem auch zu einem Rückgang der Verkehrsunfälle dort beitragen wollen. Dieser Effekt habe sich bis heute jedoch noch nicht messbar eingestellt. Henning Buss beobachtet diesen Bereich mit einer gewissen Sorge. Am liebsten wäre ihm in diesem Bereich ein Wildschutzzaun mit einer sogenannten „Wildampel“. Dabei wird ein Teil der Strecke offen gelassen und mit einer Lichtschranke gesichert. Tritt Wild durch diesen Bereich auf die Straße, würden Leuchttafeln die Autofahrer warnen. Allerdings seien es die hohen Kosten, die dieses Vorhaben aktuell nicht umsetzbar erscheinen lassen.

Ein Projekt, das der Fürstliche Forstbetrieb in Zusammenarbeit mit der Fachklinik hingegen in Kürze angehen wolle, sei eine Wildbeobachtungsplattform im Nahbereich des Kurparkes: „Wir möchten insbesondere den Waldbereich rund um die Fachklinik weiter für Besucher attraktivieren. Neben dem bestehenden Hutewald und dem Walderlebnispfad soll so den Waldbesucherinnen und Waldbesuchern hier ein weiteres Naturerlebnis im unmittelbaren Umfeld der Fachklinik und der Stadt angeboten werden, ohne die vorkommenden Wildtiere unnötig zu stören.“ Denn Letzteres komme leider immer öfter vor: „Durch sogenannte Naturliebhaber, die mit dem Ziel Wild zu beobachten oder zu fotografieren, die Wege verlassen, hat das Wild zunehmend Probleme“, so Buss. Der Wald könne sich nur dann als Ökosystem vernünftig entwickeln, wenn er auch als Lebensraum für die Tiere respektiert werde.