Landratskandidat Fietzek: "Luftschlösser sind nicht mein Ding"

Uwe Fietzek kandidiert für die Nachfolge von Friedrich Kethorn als Landrat. Der bisherige Erste Kreisrat würde im Falle seiner Wahl einen kerngesunden Landkreis übernehmen. Daran, dass das so ist, hat er in den vergangenen Jahren selbst großen Anteil gehabt. Nun möchte er diese Verantwortung auch in der ersten Reihe übernehmen. Im Gespräch mit der CDU Bad Bentheim stellt er sich unseren Fragen. Seine Antworten lesen Sie hier.

Frage: Was reizt Sie an diesem Amt?

Uwe Fietzek: Ein Landrat hat eine unglaubliche Vielfalt an Aufgaben und damit Gestaltungsmöglichkeiten. Er kann direkt dazu beitragen, dass den Menschen gute Lebensbedingungen geboten werden. Seit Jahren darf ich in leitender Funktion die überaus positive Entwicklung unseres Landkreises begleiten und mitgestalten. Es bietet sich jetzt die Möglichkeit, den Landkreis Grafschaft Bentheim hauptverantwortlich auf die Herausforderungen  der Zukunft vorzubereiten.

Frage: Sie treten für die CDU an, der Sie aber nicht angehören. Ein Modell, mit dem wir als CDU in Bad Bentheim gute Erfahrungen gemacht haben: Auf unserer Bürgerliste zur letzten Kommunalwahl waren gleichermaßen viele Nichtmitglieder vertreten. Wie stehen Sie denn zur politischen Grundausrichtung der Union?

Fietzek: Zunächst bin ich der Meinung, dass für die Übernahme dieser anspruchsvollen Aufgabe die Eignung im Vordergrund stehen sollte. Meine Erfahrung zeigt mir, dass strenge Parteipolitik in der Kommunalpolitik nicht die zentrale Bedeutung einnimmt. Ich will allerdings deutlich machen, dass die Frage der Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit für mich immer eine zentrale Rolle gespielt hat. Luftschlösser sind nicht mein Ding. Mit fremdem Geld – also mit Steuergeld – geht man verantwortlich um.

Frage: Wenn die Nummer zwei (der Erste Kreisrat) zur Nummer eins (Landrat) werden will, unterstellen Viele, dass sich nicht viel ändern wird. Was können wir bei Ihnen erwarten: Stehen Sie eher für Kontinuität oder für Veränderung?

Fietzek: Kontinuität und Veränderung? Beides ist wichtig! Der Landkreis Grafschaft Bentheim steht im Vergleich der Kommunen blendend da. Insofern ist in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht worden. Es wäre sicherlich falsch, alles auf den Kopf zu stellen. Bildung und Kita-Ausbau sind bisher aber auch in der Zukunft eindeutige inhaltliche Schwerpunkte. Es ist jedoch erforderlich, neue Herausforderungen zu erkennen und die Strategie darauf auszurichten. Dazu zähle ich z.B. die Verfolgung eines konsequenten, flächendeckenden Ausbaus der Breitbandinfrastruktur. Auch die Digitalisierung der Verwaltung – übrigens nach meiner Vorstellung gemeinsam mit den Gemeinden – wird ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein.  Unsere Bürger sollen in einigen Jahren die meisten Dienstleistungen vom Sofa aus erledigen können. Weiterhin werde ich mich auf die Themen E-Mobilität und Ärztemangel konzentrieren.

Frage: Wieso ist die Landratswahl eigentlich wichtig für die Menschen? Welche Entscheidungen, die das tägliche Leben betreffen, werden auf der Kreisebene tatsächlich getroffen?

Fietzek: Ein Landkreis beeinflusst in erheblichem Maße die Lebensbedingungen der Menschen. Lassen Sie mich einige Beispiele nennen. Weite Teile des Bildungsangebotes werden vom Landkreis gestaltet. Dazu gehören das weiterführende Schulwesen, also Gymnasien und Berufsbildende Schulen. Der Landkreis trifft Entscheidungen zum Ausbau, Sanierung und Ausstattung dieser Schulen. Auch weite Teile der Verkehrsinfrastruktur, wie Kreisstraßen und Radwege aber auch der der öffentliche Personennahverkehr werden durch den Landkreis gebaut und unterhalten. Zu unseren Aufgaben gehört aber auch die Abfallwirtschaft sowie der Umwelt – und Naturschutz. Daneben bietet die Kreisverwaltung eine Vielzahl von Serviceleistungen. Das Grafschafter Jobcenter hat in den vergangenen Jahren viele Menschen in Arbeit vermittelt und damit eine neue Perspektive gegeben. Zum Leistungsspektrum gehört die Beratung von Unternehmen genauso wie die Zahlung von verschiedenen Sozialleistungen.

Frage: Wie würden Sie Kreispolitik der vergangenen Jahre beschreiben?

Fietzek: Die Grafschaft ist immer stark, wenn bei großen Themen an einem Strang gezogen wird. Das gilt auch für die Kreispolitik und war in letzten Jahren meistens der Fall. Übrigens ist dies für mich auch ein Grund dafür, dass extreme Parteien entgegen dem allgemeinen Trend in der Kreispolitik nur eine Randnotiz bilden. Gerne erinnere ich mich an den breiten Konsens bei notwendigen Entscheidungen während der Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016. Auch die Reaktivierung des SPNV oder die großen Schulinvestitionsprogramme sind gute Beispiele.

Frage: Ein Landrat hat natürlich den gesamten Kreis im Blick. Welche Rolle spielt für Sie Bad Bentheim als Stadt im Landkreis?

Fietzek: Die Stadt Bad-Bentheim hat enormes touristisches Potential. Damit ist Bad-Bentheim Ziel vieler Freizeitaktivitäten. Neben den Grafschaftern kommen Kurzurlauber aus ganz Deutschland und insbesondere den Niederlanden. Die Burg – sozusagen das Wahrzeichen der Grafschaft – aber auch das Kurbad und der Badepark sorgen für eine große Gästezahl, die ihren Wirkungskreis selten nur auf Bad-Bentheim begrenzen. Diese Kaufkraft kommt der gesamten Grafschaft zu Gute. Bad-Bentheim bereichert aber auch das kulturelle Angebot in der Grafschaft in besonderem Maße. Freilichtbühne, Otto-Pankok-Museum – um nur zwei zu nennen – erfüllen hier durchaus gehobene Ansprüche. Diese Bedeutung wird nach meiner Einschätzung durch die Reaktivierung des SPNV noch gesteigert werden.

Frage: Wohin möchten Sie unsere Region weiterentwickeln? Wo sehen Sie den Landkreis 2030?

Fietzek: Ich möchte einen attraktiven, finanziell starken Landkreis, der Unternehmen motiviert, in der Grafschaft zu bleiben oder sich hier anzusiedeln. Dazu gehört eine gute Verkehrs- und digitale Infrastruktur. Mir ist wichtig, dass in der Grafschaft die Möglichkeit besteht, Spitzenkräfte auszubilden. Das Umfeld soll Fachkräfte binden und gewinnen. Dazu gehört eine familienfreundliche Kultur und Einrichtungen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Wichtig ist mir, dass in diesem Prozess alle Grafschafter Gemeinden mitgenommen werden.